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Migration und demokratische politische Kultur in Berlin – Antimuslimischer Rassismus als Gefahr für die Demokratie?

In: Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik 6, Nr. 2: 431–461

Autor:innen

Kazim Celik & Gert Pickel

Abstract

Mit den weltweiten Fluchtbewegungen 2015 rückte das Thema Migration erneut an die Spitze der virulenten gesellschaftlichen Themen und entfachte politische Auseinandersetzungen. Diese Konflikte waren dabei nur teilweise durch Migrant:innen ausgelöst. Zumeist führten Instrumentalisierungen durch Rechtspopulist:innen zu einer Zuspitzung der gesellschaftlichen Diskurse. Überhaupt sind die Erfolge des Rechtspopulismus in Europa wohl kaum ohne das „Feindbild“ Migration und Islam vorstellbar. In der Konsequenz kam es zu einer bis heute andauernden Polarisierung der Gesellschaft, die eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellt. Während Anhänger:innen des Rechtspopulismus Migrant:innen dafür verantwortlich machen, sehen viele andere Beobachter:innen den Grund für die Polarisierung auf rechtspopulistischer Seite. Deutlich wird dabei, dass Werthaltungen, insbesondere auch Ängste in der Bevölkerung für das Verständnis des Verhältnisses von Migration und Demokratie zentral sind. Unsere Forschungsfrage lautet deshalb: Wie wirken sich Einstellungen zu Migration sowie Haltungen von Migrant:innen auf die demokratische politische Kultur aus? Diese Fragestellung lässt sich besonders gut in einer heterogenen Stadtgesellschaft wie Berlin untersuchen. Daher analysieren wir mit Daten des Berlin-Monitors 2019 Haltungen gegenüber und Haltungen von Migrant:innen unter Berücksichtigung ausgewählter politische und religiöse Aspekte. Theoretischer Hintergrund ist der demokratietheoretische Zugang der politischen Kulturforschung in Verbindung mit Ansätzen der Migrationssoziologie und der sozialpsychologischen Vorurteilsforschung. Die Ergebnisse zeigen, dass die Religionszugehörigkeit eine bedeutende Funktion als Bezugspunkt für Prozesse der Kategorisierung, Stereotypisierung und Abwertung einnimmt. Ferner wird deutlich, dass antimuslimischer Rassismus die demokratische politische Kultur untergräbt und antidemokratische Einstellungen befördert. Dies gilt auch für religiös dogmatische bis fundamentalistische Einstellungen, die unter Berliner Muslim:innen in antisemitische Ressentiments und Ablehnung gegenüber nichtheteronormative Geschlechtsidentitäten münden können. Der Beitrag basiert neben dem Berlin-Monitor auch auf dem durch das BMBF geförderten Projekt „Radikaler Islam versus radikaler Anti-Islam“ und der Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“.

Quellen

Celik, Kazim und Gert Pickel. 2022. Migration und demokratische politische Kultur in Berlin – Antimuslimischer Rassismus als Gefahr für die Demokratie? In: Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik 6, Nr. 2: 431–461. doi: 10.1007/s41682-022-00143-y.

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