Subjektive Verständnisse und Praktiken zur Herstellung von gesellschaftlichem Zusammenhalt
Natalie Grimm, Andrea Hense und Ina Kaufhold | 2025
Das Working Paper untersucht subjektive Verständnisse und Praktiken zur Herstellung von gesellschaftlichem Zusammenhalt und unterscheidet diesbezüglich sechs verschiedene Typen. Diese wurden mit fallrekonstruktiven und kategoriengeleiteten Analysen auf der Basis von 50 biografisch-narrativen Interviews aus der insgesamt 91 Personen umfassenden ersten Erhebungswelle des heterogen zusammengesetzten FGZ-Quali-Panels identifiziert. Die Analysen stützen sich sowohl auf explizite Äußerungen der Interviewten als auch implizite Orientierungen, die aus ihren sozialen Handlungen abgeleitet werden können. Dafür ist es nicht nur notwendig, fallrekonstruktive und kategoriengeleitete Analysen miteinander zu verbinden, sondern auch auf der theoretischen Ebene das Konzept der Sozialintegration praxistheoretisch zu erweitern. Durch die Anwendung des Konzepts der Sozialintegration werden vor allem zwei Hauptströmungen im Verständnis von Zusammenhalt unterschieden: einerseits solche, die auf Konformität abzielen, andererseits solche, die verstärkt auf Kooperation setzen. Die praxistheoretische Erweiterung hilft zum einen dabei, die Prozessualität und Dynamik des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu erfassen und die Praxis als Ort zu konzipieren, der einer „praktischen Logik“ folgt, die mehr ist als die Ausführung von gedachten Handlungsplänen und Zusammenhaltsvorstellungen. Zum anderen ermöglicht diese theoretische und empirische Herangehensweise die Rückbindung der subjektiven Verständnisse und Praktiken zur Herstellung von gesellschaftlichem Zusammenhalt an arbeitsbezogene, familiäre und institutionelle Erfahrungen, soziale Positionen und Lebensverläufe, welche die Verständnisse und Praktiken geprägt haben.


