Thema: Radikal rechte Parteien sind zu einer etablierten Kraft in europäischen Demokratien geworden. Waren sie vor 20 Jahren noch eine Randerscheinung in vielen Ländern, so sitzen sie heute in Parlamenten und Regierungen. In manchen Ländern sind sie die stärkste Partei. Um diesen rapiden Anstieg ihrer Popularität zu erklären, ist es notwendig, das Verhalten anderer Parteien in Betracht zu ziehen. Etablierte Parteien rechts und links der Mitte haben auf Erfolge der radikalen Rechten damit reagiert, sich stärker gegen Migration zu positionieren. Diese strategische Neuausrichtung hat nicht dazu geführt, Wähler:innen der radikalen Rechten zurückzugewinnen. Stattdessen hat sie auf Seiten der Bevölkerung dazu geführt, erstens das Thema Migration umzudeuten und salienter zu machen und zweitens radikal rechte Parteien zu normalisieren. Es entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf zum Nutzen der radikalen Rechten.
Speaker: Prof. Dr. Tarik Abou-Chadi ist Professor für Europäische Politik an der Universität Oxford und Professorial Fellow am Nuffield College. Zuvor lehrte er an der Universität Zürich sowie an der HumboldtUniversität zu Berlin, wo er auch promovierte. Seine Forschung beschäftigt sich mit Parteiensystemen, Wahlverhalten, politischem Wandel und gesellschaftlicher Polarisierung in Europa. Abou-Chadi ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Henrik-Enderlein-Preis, und publiziert regelmäßig in führenden internationalen Fachzeitschriften wie World Politics, Journal of Politics und British Journal of Political Science. Er ist Mitglied mehrerer Editorial Boards und in internationalen Forschungsnetzwerken aktiv.