Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) untersucht mit einem neuen Arbeitspaket die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die öffentliche Meinungsbildung, verstärkt seine Analyse gesellschaftlicher Konflikte um die sozial-ökologische Transformation und baut die Forschungsdateninfrastruktur des Social Cohesion Panel aus. Die Erweiterungen gehen auf Empfehlungen aus der Begutachtung des Arbeitsprogramms der zweiten Förderphase des FGZ zurück.
Neues Arbeitspaket untersucht KI und öffentliche Meinungsbildung
Zum 1. August 2026 startete das neue Arbeitspaket D_11 „Öffentliche Meinung repräsentieren: Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz“ an den FGZ-Standorten Frankfurt und Konstanz. Projektleiter sind Prof. Dr. Albrecht Koschorke, Dr. Steffen Krämer und PD Dr. Taylan Yildiz. Damit greift das FGZ die Empfehlung des Begutachtungsgremiums auf, medienkulturwissenschaftliche Perspektiven stärker einzubeziehen und Forschung zu Künstlicher Intelligenz aufzunehmen. So erweitert das Arbeitspaket die Forschung im Themenfeld D „Kulturelle Dynamiken des Zusammenhalts“ um wertvolle inhaltliche Schwerpunkte.
Das neue Arbeitspaket untersucht, wie die zunehmende Verbreitung von KI die öffentliche Meinungsbildung verändert. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zwischen individueller Autonomie und öffentlicher Meinung: Wie verändert KI die Bedingungen, unter denen sich Menschen eine Meinung bilden? Welche Akteure gewinnen bei der Repräsentation öffentlicher Meinung an Einfluss, welche verlieren an Bedeutung? Und welche politischen Vorstellungen und Gegenbewegungen entstehen dabei?
Dabei betrachtet das Arbeitspaket KI nicht ausschließlich als Gefahr für gesellschaftlichen Zusammenhalt. KI-basierte Technologien können Polarisierung und die Verzerrung von Meinungsspektren begünstigen, zugleich werden mit ihnen Hoffnungen auf neue Formen der Moderation und gesellschaftlichen Verständigung verbunden. Aus medienkulturwissenschaftlicher und kulturgeschichtlicher Perspektive untersucht das Arbeitspaket diese widersprüchlichen Entwicklungen und ordnet sie in die längerfristige Transformation von Öffentlichkeit ein.
Sozial-ökologische Transformation stärker im Fokus
Zum 15. August 2026 wurde das Jenaer Arbeitspaket A_07 „Ökologische Transformation und antidemokratische Krisenmobilisierung“ personell und inhaltlich erweitert. Mit Dr. Martin Fritz verstärkt ein neuer Mitarbeiter das Arbeitspaket und den programmatischen Fokus auf den gesellschaftlich hochrelevanten Zusammenhang von Klimawandel, ökologischer Transformation und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Neben dezidiert demokratiefeindlichen und extrem rechten Akteur:innen sowie ihren Narrativen, Strategien und Strukturen rückt nunmehr der gesellschaftliche Konflikt um Klimaschutzpolitik und die Ausgestaltung der sozial-ökologischen Transformation insgesamt stärker in den Blick. Untersucht werden Konflikt-, Abwehr- und Mobilisierungsdynamiken – von der Ablehnung einzelner Klimaschutzmaßnahmen bis hin zur grundsätzlichen Infragestellung der Notwendigkeit einer Transformation.
Zugleich erweitern die beteiligten Wissenschaftler:innen den bisherigen räumlichen Zuschnitt über Thüringen und Ostdeutschland hinaus. Neben öffentlichem Protest werden künftig auch bundesweite Prozesse der Meinungs- und Willensbildung sowie der politischen Ausgestaltung und Umsetzung von Transformationsprozessen untersucht. Als Querschnittsthema soll die sozial-ökologische Transformation zudem stärker mit anderen Forschungsbereichen des FGZ verknüpft werden.
Social Cohesion Panel: Daten schneller bereitstellen und Nutzung erleichtern
Zum 1. Oktober 2026 wird zudem das am Forschungsdatenzentrum des FGZ angesiedelte Social Cohesion Panel (SCP) um eine Postdoc-Stelle am Standort Bielefeld erweitert. Principal Investigator ist Martin Kroh. Ziel der Erweiterung des Teams durch Dr. Mirko Ruks ist es, die Aufbereitung und Veröffentlichung der Daten des SCP zu beschleunigen und ihre Nutzung innerhalb und außerhalb des FGZ zu erleichtern.
Ein Schwerpunkt der neuen Stelle liegt auf der Erstellung von Design-, Querschnitts- und Längsschnittgewichten für das SCP. Diese sind eine wichtige Grundlage für die wissenschaftliche Auswertung der Paneldaten und sollen künftig regelmäßig mit den Scientific Use Files bereitgestellt und ausführlich dokumentiert werden.
Darüber hinaus soll die Unterstützung für Forschende ausgebaut werden, die mit den Daten des SCP arbeiten. Dazu gehören Beratung zur Stichprobenziehung und Gewichtung sowie die Koordination eines jährlich stattfindenden Online-Kurses zur Nutzung der SCP-Daten. Eigene methodische und inhaltliche Forschung mit den Paneldaten ergänzt das Aufgabenprofil. Damit soll die zusätzliche Stelle sowohl zu einer schnelleren Datenbereitstellung als auch zu einer breiteren wissenschaftlichen Nutzung des Social Cohesion Panel beitragen.
Mit diesen drei Erweiterungen setzt das FGZ zentrale Empfehlungen aus der Begutachtung des Arbeitsprogramms seiner zweiten Förderphase um.
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