„The struggle over borders“. Konflikte um Zuwanderung und europäische Integration zwischen kosmopolitischen und kommunitaristischen Milieus in Europa?

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Duisburg

Vortrag auf der Sitzung „Aktuelle europasoziologische Forschungsprojekte“ der Sektion Europasoziologie auf dem 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie „Transitionen“ Im Zentrum des Diskurses um die Gefährdung des Zusammenhalts europäischer Gesellschaften steht die Diagnose einer sich zunehmend verstärkenden Konfliktlinie zwischen kosmopolitischen Befürwortern und kommunitaristischen Gegnern der von De-Nationalisierung und Europäisierung. Erste gelten als Gewinner, letztere als Verlierer von Transnationalisierungsprozessen – sowohl im Hinblick auf sozioökonomische Ressourcen als auch den kulturell-hegemonialen Diskurs. Empirische Untersuchungen für Deutschland finden jedoch kaum Belege für eine eindeutige sozialstrukturelle Polarisierung in zwei Lager. Der Beitrag knüpft hier an und fragt, ob der Befund einer fehlenden Polarisierung sich auch unter Verwendung des lebensweltlich fundierten Großgruppenkonzepts der sozialen Milieus bestätigt.

Im Zentrum des Diskurses um die Gefährdung des Zusammenhalts europäischer Gesellschaften steht die Diagnose einer sich zunehmend verstärkenden Konfliktlinie zwischen kosmopolitischen Befürwortern und kommunitaristischen Gegnern der von De-Nationalisierung und Europäisierung (De Wilde et al. 2019). Erste gelten als Gewinner, letztere als Verlierer von Transnationalisierungsprozessen – sowohl im Hinblick auf sozioökonomische Ressourcen als auch den kulturell-hegemonialen Diskurs. Empirische Untersuchungen für Deutschland finden jedoch kaum Belege für eine eindeutige sozialstrukturelle Polarisierung in zwei Lager (Mau et al. 2023; Dochow-Sondershaus und Teney 2024).

Diese Befunde stützen sich zumeist auf ein erweitertes Berufsklassenkonzept, das Einstellungsmuster – v.a. zwischen soziokulturellen Professionen, die der politischen Linken nahestehen und Arbeitern, die von der radikalen Rechten vereinnahmt werden – auf unterschiedliche Arbeitslogiken zurückführt. Als Alternative wird insbesondere im deutschen Diskurs auf das Konzept sozialer Milieus verwiesen, das nicht auf Arbeitslogiken reduziert ist, sondern lebensweltlich verankerte soziokulturelle Großgruppen in den Blick nimmt, die sich in den beiden Dimensionen sozioökonomischer Ressourcen und kultureller Werte konstituieren (Reckwitz 2019).

Der Beitrag knüpft hier an und fragt, ob der Befund einer fehlenden Polarisierung sich auch unter Verwendung des lebensweltlich fundierten Großgruppenkonzepts der sozialen Milieus bestätigt. Dazu führen wir die in einem Bremer Projekt des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) etablierte Typologie sozialer Milieus, die BRISC-Milieus (Sachweh et al. 2025), in den Diskurs um politische Konfliktlinien in Europa ein. Anders als bei der bisher bekanntesten Milieu-Typologie, den Sinus-Milieus®, sind die BRISC-Milieus mit öffentlich verfügbaren Datensätzen reproduzierbar, die kulturellen Werte mit den allgemeinen menschlichen Werten nach Schwartz (1992) umfänglicher erfasst und sozioökonomische Ressourcen (Bildung und Einkommen) explizit als Milieuindikatoren einbezogen. Mit Hilfe des European Social Survey (Round 11, 2023/24) und der Methode latenter Klassenanalyse werden Typologien sozialer Milieus in 24 europäischen Ländern identifiziert. Wir untersuchen, inwieweit sich sowohl die Einstellungen zur Zuwanderung sowie zur Europäischen Integration zwischen sozialen Milieus unterscheiden. Schließlich werden die Informationen kondensiert, indem die Länder hinsichtlich ähnlicher Muster der Milieustrukturen sowie der Konfliktlinien explorativ klassifiziert werden. Dabei testen wir verschiedene Verfahren der Dimensionsreduktion. Zeigt sich eine generalisierte, polarisierte Konfliktlinie zwischen großen kosmopolitischen und kommunitaristischen Milieus in europäischen Ländern? Finden sich in verschiedenen europäischen Länder unterschiedliche „Milieuregime“ mit je eigenen Einstellungskonstellationen zwischen Milieus? Wo sind die Milieulandschaften fragmentiert und die Konfliktlinien damit unschärfer?

Veranstaltungen

Adresse
Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg, Forsthausweg 2, 47057 Duisburg
Teilnahme
Teilnahmegebühr: 200 Euro. Anmeldung über Configtool.
Schlagworte
Konflikt, Polarisierung, Populismus, Ungleichheit
Themenfeld(er)
B: Sozioökonomische Status- und Verteilungsordnungen , Gesellschaftliche Spaltungen: Effekte von Status- und Verteilungsordnungen auf Zusammenhalt
Zielgruppe
Wissenschaft

Referent:innen

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FGZ Bremen
Milieukonflikte um den gesellschaftlichen Zusammenhalt
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