Documenta fifteen. Kunstfreiheit, Postkolonialismus, Antisemitismus
Felix Axster, Christoph Gollasch | 2025
Die documenta fifteen, die vom 18. Juni bis zum 25. September 2022 in Kassel stattfand, hatte schon im Vorfeld für Aufregung gesorgt. Dies lag zum einen daran, dass die Kuration erstmals einem Kollektiv übertragen wurde, und zwar einem Kollektiv aus Indonesien, welches weitere Kollektive vor allem aus dem sogenannten Globalen Süden zum Ausstellen einlud. Zum anderen brachten hiesige Akteur:innen einige Mitglieder sowohl des Kurator:innen-Kollektivs als auch anderer eingeladener Kollektive schon früh mit der Israel-Boykottbewegung BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) in Verbindung. Und da diese Bewegung seit einigen Jahren pauschal mit Antisemitismus assoziiert wird, nicht zuletzt von staatlichen Institutionen und Behörden, stand der Vorwurf des israelbezogenen Antisemitismus im Raum. Kurz nach der Eröffnung der documenta schließlich tauchten Exponate mit antisemitischen Bildelementen auf. Entsprechend wurde der Abbruch der Kunstschau gefordert.
Wenn wir uns heute, ca. drei Jahre später, mit der documenta fifteen befassen, so tun wir dies vor allem aus zwei Gründen:
1. finden immer noch Tagungen zum Thema statt, erscheinen Aufsätze, Sammelbände und Monographien. Anders gesagt dauert die Auseinandersetzung über die documenta fifteen, sowohl was die Kunstschau selbst als auch die sie begleitende Debatte betrifft, an.
2. wird gegenwärtig über nahezu die gleichen Themen gestritten – über (israelbezogenen) Antisemitismus, Wissenschafts- und Kunstfreiheit, Eingriffe des Staates, die Reichweite kolonialismuskritischer Perspektiven. In diesem Sinne ließe sich die documenta fifteen als Symptom einer grundsätzlichen Kontroverse über Weltdeutungen verstehen, bei der sich bisweilen unversöhnlich anmutende Narrative und Entitäten gegenüberstehen: postkoloniale Kritik vs. Antisemitismuskritik, palästinasolidarische Bewegung vs. israelsolidarische Bewegung, Globaler Süden vs. Globaler Norden (oder Westen).
Publikationen
- Publikationsdatum
- 10.04.2025
- Sprache
- German
- Publikationsart
- Medienbeitrag
- Fachrichtung(en)
- Ethnologie (oeffnet in neuem Fenster), Geschichtswissenschaft (oeffnet in neuem Fenster), Global Studies (oeffnet in neuem Fenster), Kulturwissenschaften (oeffnet in neuem Fenster), Politikwissenschaft (oeffnet in neuem Fenster), Soziologie (oeffnet in neuem Fenster)
- Schlagworte
- Antisemitismus (oeffnet in neuem Fenster), Demokratie (oeffnet in neuem Fenster), Erinnerungskultur (oeffnet in neuem Fenster), Identitätspolitik (oeffnet in neuem Fenster), Konflikt (oeffnet in neuem Fenster), Migration (oeffnet in neuem Fenster), Partizipation/Teilhabe (oeffnet in neuem Fenster), Postkolonialismus (oeffnet in neuem Fenster), Rassismus (oeffnet in neuem Fenster)
- Zielgruppe
- Multiplikatoren der (politischen) Bildung (oeffnet in neuem Fenster), Wissenschaft (oeffnet in neuem Fenster), Zivilgesellschaftliche Multiplikatoren (oeffnet in neuem Fenster)
- Empfohlene Zitierweise
- Axster, Felix und Christoph Gollasch. 2025. Documenta fifteen. Kunstfreiheit, Postkolonialismus, Antisemitismus. Zeitgeschichte online, 10.04.2025, https://zeitgeschichte-online.de/themen/documenta-fifteen.
- Open Access
- Verfuegbar
- Weiterführende Links
- Zur Publikation (externer Link)
