Die praxeologische Wissenssoziologie als methodologischer Rahmen für Transferpraxis. Kritische Bilanzierung der dokumentarischen Evaluationsforschung und Erweiterung des Instrumentariums dokumentarischer Interventionsvorhaben

Arne Arend  | 2026

Der Beitrag untersucht die Praxis der Dokumentarischen Evaluationsforschung im Kontext erziehungswissenschaftlicher Transferambitionen (Althans/Engel 2016b; Engel 2011). Dafür erfolgt eine kritische Revision bestehender Studien und Fallbeispiele zur Dokumentarischen Evaluationsforschung mit dem Ziel der Herausarbeitung inhärenter Inkonsistenzen, die bisher von der Freude über eine Produktivität der Transferveranstaltungen verdeckt wurden. In einem nächsten Schritt wird dann die methodologische Basis der Dokumentarischen Evaluationsforschung untersucht, da diese Inkonsistenzen auf die „konzeptionelle Leerstelle“ (Loos 2013, S. 355) zurückgehen, den entscheidenden Schritt der Explikation der Auswertungsergebnisse im Untersuchungsfeld nicht hinreichend erklärt zu haben.

Im zweiten Teil des Beitrags werden deshalb die methodologischen Grundlagen der Praxeologischen Wissenssoziologie identifiziert (u.a. Bohnsack 2016; Bohnsack 2017, S. 324ff.), um jene Effekte und Herausforderungen zu verstehen, die bei der Rückkopplung von dokumentarischer Forschung mit dem Forschungsfeld grundsätzlich denkbar sind. Der bisherige, forschungsethisch problematische Ansatz der Dokumentarischen Evaluationsforschung, einseitig auf eine Aktivierung von Praxisakteur:innen zum Ziel der Selbstoptimierung zu setzen, wird damit hinterfragt. Auf dieser Grundlage werden mehrere Transferformate aufgezeigt, die ausgehend von dokumentarischer Forschung realisiert werden können und durch die Praxeologische Wissenssoziologie sowie erste Erfahrungen fundiert sind (u.a. Jahr/Arend/Backhaus-Maul 2024; Küchler 2018; Nentwig-Gesemann/Gesemann/Walther 2020).

Damit wird deutlich, dass Bekenntnisse der Praxisakteur:innen zur Überarbeitungswürdigkeit ihrer Praxis nicht als Qualitätskriterium von Transferformaten verstanden werden dürfen, da diese auch Ergebnis der machtvollen Position der Forscher*innen sein kann. Vielmehr geht es um eine methodologische Aufklärung der Dynamiken, die bspw. vom Format der Dokumentarischen Evaluationsforschung ausgehen. Eine solche Aufklärung ermöglicht auch die Ablösung einer bislang dominierenden Evaluationslogik hin zu alternativen Formaten der Verwendung dokumentarischer Forschung für Praxisakteur:innen.

Publikationen

Publikationsdatum
30.04.2026
Sprache
German
Publikationsart
Beitrag in Sammelband
Empfohlene Zitierweise
Arend, Arne. 2026. Die Praxeologische Wissenssoziologie als methodologischer Rahmen für Transferpraxis: Kritische Bilanzierung der Dokumentarischen Evaluationsforschung und Erweiterung des Instrumentariums dokumentarischer Interventionsvorhaben. In: Transfer in Pädagogik und Erziehungswissenschaft II: Zwischen Problematisierung und Systematisierung, hrsg. v. Tamara Diederichs und Anna K. Desoye, 318–45. Weinheim: Beltz Juventa.
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