Deutschland ist ein reiches Land. Doch der Reichtum ist ungleich verteilt: Vermögen konzentriert sich, soziale Aufstiegschancen schwinden, öffentliche Infrastruktur gerät unter Druck. Mit der wachsenden Vermögensungleichheit driften auch die Lebensrealitäten unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen auseinander. Dieser Entwicklung widmet sich die Jahreskonferenz 2026 des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Unter dem Titel „Ein neues Ungleichheitsregime? Reichtumskonzentration, soziale Spaltungen und die Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts“ kommen vom 16. bis 18. September in Leipzig sowie online Wissenschaftler:innen mit Vertreter:innen aus Politik, Gewerkschaften, Sozialverbänden und Zivilgesellschaft zusammen. Die Konferenz ist öffentlich, eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.
Im Mittelpunkt steht eine unbequeme Frage: Wie viel Ungleichheit verträgt der gesellschaftliche Zusammenhalt? Denn Ungleichheit zeigt sich nicht allein auf dem Konto. Sie entscheidet über Bildungschancen und Wohnorte, über Anerkennung und politische Mitsprache, über die Qualität öffentlicher Infrastruktur. Wenn soziale Gruppen einander im Alltag seltener begegnen, schwinden gemeinsame Erfahrungen: Zugleich verschieben sich die Voraussetzungen für gesellschaftliche Kompromisse: Während manche gesellschaftlichen Gruppen politisch und sozial an Repräsentation verlieren, verfügen andere über wachsende materielle, kulturelle und politische Einflussmöglichkeiten. Ungleichheit ist damit neben einer sozialen immer auch eine demokratische Frage.
Am ersten Konferenztag diskutieren bei der öffentlichen Podiumsdiskussion „Was tun gegen Ungleichheit? Perspektiven für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ Verena Bentele (Sozialverband VdK Deutschland), Dr. Dierk Hirschel (ver.di), Johanna Kraft (taxmenow) und der Jenaer FGZ-Forscher Dr. Axel Salheiser über Sozialstaat, gute Arbeit sowie Steuer- und Vermögenspolitik.
Am Donnerstag fragt der Philosoph Prof. Dr. Christian Neuhäuser (TU Dortmund) in seiner Keynote „Warum nicht Eigentumsdemokratie?“, ob sich Menschen noch als gleichrangige Bürger:innen verstehen können, wenn ökonomische und politische Macht dauerhaft höchst ungleich verteilt sind. Weitere Sessions nehmen Ungleichheit in der Arbeitswelt, Rassismus, Jugend und regionale Unterschiede in den Blick. Am Freitag geht es um Überreichtum als strukturelles Problem: Was geschieht, wenn große Vermögen nicht nur wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen, sondern politische und mediale Macht verschaffen?
Im Abschlusspanel diskutieren Prof. Dr. Olaf Groh-Samberg (FGZ-Direktor), Prof. Dr. Stephan Lessenich (FGZ Frankfurt), Prof. Dr. Christian Neuhäuser, Prof. Dr. Manon Westphal (TU München), Dr. Nhat An Trinh (WZB Berlin) und Thomas Fischer (DGB), welche Konsequenzen sich aus den Debatten für Politik, Gesellschaft und Zusammenhaltsforschung ziehen lassen. Die Konferenz findet in den Salles de Pologne, Hainstraße 16/18, 04109 Leipzig statt und wird zusätzlich per Livestream übertragen. Programm, Anmeldung und Livestream: https://fgz-risc.de/veranstaltungen/details/fgz-jahreskonferenz-2026-ein-neues-ungleichheitsregime/
Über das FGZ
Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) ist ein interdisziplinäres, transferorientiertes und ortsverteiltes Institut. Es besteht seit 2020 und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Das FGZ verbindet Grundlagenforschung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt mit anwendungsnaher Forschung zu aktuellen Herausforderungen aus einer Vielfalt an disziplinären Perspektiven.
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Kristin Voigtländer
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