Hospitanz als Raum für Austausch, Vernetzung und neue Perspektiven

Wie entstehen neue Perspektiven auf gesellschaftlichen Zusammenhalt im direkten wissenschaftlichen Austausch? Im Rahmen des FGZ-Hospitanzprogramms arbeitete Aydın Bayad (FGZ Bielefeld) zwei Wochen am Standort Berlin mit Maria Alexopoulou zusammen. Im Interview berichten beide über interdisziplinäre Zusammenarbeit, neue konzeptionelle Verbindungen und die Bedeutung persönlicher Begegnungen für gemeinsame Forschung und Transfer.

Im Rahmen des FGZ-Hospitanzprogramms war Aydın Bayad (FGZ Bielefeld) vom 09.02.2026 bis 20.02.2026 am Standort Berlin zu Gast. Dort arbeitete er eng mit Maria Alexopoulou zusammen, um inhaltliche, methodische und konzeptionelle Schnittstellen zwischen ihren Forschungsarbeiten weiterzuentwickeln. Im Gespräch berichten beide über ihre Eindrücke, die Zusammenarbeit vor Ort und den Mehrwert des Programms für ihre Projekte.

 

Wie kam es zu Deiner Teilnahme am Programm und zur Wahl des Teilinstituts?

Aydın Bayad: Ich habe zum ersten Mal über eine Kollegin vom FGZ von dem Programm erfahren. Später habe ich bei den regelmäßigen Treffen am Standort Bielefeld weitere Informationen dazu bekommen. Erfahrenere Kolleg:innen haben mich ausdrücklich zur Teilnahme ermutigt, vor allem nachdem mein Antrag mit einem anderen Projekt zusammengeführt worden war.Diese Entwicklung war auch für die Wahl des Teilinstituts ausschlaggebend. Das zusammengelegte Projekt wird von Maria Alexopoulou an der TU Berlin geleitet. Der Besuch bot mir daher die Möglichkeit, die konzeptionelle Integration unseres gemeinsamen Vorhabens weiter auszuarbeiten. Hinzu kommt, dass mehrere Kolleg:innen in Berlin im Themenfeld D arbeiten, das starke Überschneidungen mit unserem Arbeitspaket aufweist, insbesondere mit Blick auf Marginalisierung und kulturelle Dynamiken gesellschaftlichen Zusammenhalts. Berlin war deshalb für meine Hospitanz der passendste Ort.

Welche Impulse hat die Hospitanz für Deine Arbeit gebracht?

Maria Alexopoulou: Der intensive Austausch war für mich sehr hilfreich, um den sozialpsychologischen Ansatz, die angewandte Methodik und die ersten Ergebnisse meines Kollegen Aydın besser zu verstehen und mit meinen eigenen Überlegungen zu verbinden. Dadurch konnten wir unsere beiden Module an ihren Schnittstellen neu denken und schließlich zu einem gemeinsamen Arbeitspaket zusammenführen.

Was war der Plan für den Aufenthalt, und was konnte vor Ort umgesetzt werden?

Aydın Bayad: Mein Besuch hatte zwei Ziele. Zum einen wollte ich den konzeptionellen und methodischen Austausch mit Maria vertiefen, um unsere Ansätze besser miteinander zu verzahnen. Zum anderen wollten wir gemeinsam mit unserem Praxispartner, den Neuen Deutschen Organisationen e. V., mögliche Formate für die Vermittlung unserer Ergebnisse an ein breiteres Publikum entwickeln.Beides ist uns gelungen. Maria und ich haben intensiv an der konzeptionellen Integration gearbeitet und zwei gemeinsame Dimensionen herausgearbeitet: Subjektivität und Historizität. Diese bilden nun einen wichtigen Rahmen für unsere Zusammenarbeit. Außerdem haben wir am Standort Berlin einen gemeinsamen Entwurf vorgestellt, der auf konstruktives Feedback gestoßen ist und nun für die Querschnittstagung in Bielefeld weiterentwickelt wird. Parallel dazu haben wir mit Vertreter:innen der NDO über mögliche Transferformate gesprochen – von einem Workshop bis hin zu einem Beitrag für den Bundeskongress. Besonders positiv war für mich, dass sowohl Kolleg:innen als auch Praxispartner:innen großes Interesse an unserer minderheitenbezogenen Perspektive auf gesellschaftlichen Zusammenhalt gezeigt haben.

Welche Bedeutung hatte die Hospitanz für die weitere Entwicklung Deines Projekts?

Aydın Bayad: Die Hospitation hat mir vor allem geholfen, die konzeptionelle Arbeit mit Maria auf eine Weise zu vertiefen, die aus der Ferne kaum möglich gewesen wäre. Unsere theoretischen und methodischen Zugänge unterscheiden sich deutlich, und die gemeinsame Zeit vor Ort hat es ermöglicht, diese Unterschiede produktiv zu bearbeiten. Dadurch konnte ich mein eigenes Projekt innerhalb des zusammengeführten Arbeitspakets klarer verorten und die Machbarkeit der konzeptionellen Integration besser einschätzen.Darüber hinaus eröffneten sich neue Perspektiven für gemeinsame Beiträge, die über die ursprünglich geplanten empirischen Publikationen hinausgehen. Wir denken nun auch über einen stärker theoretisch orientierten Beitrag nach, der Subjektivität und Historizität in Debatten um gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgreift.

Wie konntest Du Aydın in die lokalen Strukturen einbinden?

Maria Alexopoulou: Aydın konnte an einem unserer monatlichen Jour fixes teilnehmen, bei dem wir auch die Ergebnisse der Hospitanz vorgestellt haben. So konnten wir die bereits angesprochenen Kontaktpunkte gemeinsam mit weiteren Kolleg:innen diskutieren. Außerdem nahm Aydın an einer Führung im Bundestag zur Geschichte jüdischer Abgeordneter in der Bundesrepublik Deutschland teil, die von Hannah-Lotte Lund organisiert wurde.

Welche Empfehlung würdest Du künftigen Teilnehmenden geben?

Aydın Bayad: Das Hospitanzprogramm ist eine sehr wertvolle Gelegenheit, insbesondere für Nachwuchswissenschaftler:innen, die ihre fachlichen Netzwerke erweitern und neue Perspektiven kennenlernen möchten. Der direkte Austausch mit Kolleg:innen aus anderen Standorten und Disziplinen eröffnet wichtige Impulse und stärkt den interdisziplinären Charakter des FGZ.Ich würde empfehlen, sich vorab klare Ziele für den Aufenthalt zu setzen und die vor Ort vorhandenen Formate – etwa Kolloquien, interne Treffen oder informelle Gespräche – aktiv zu nutzen. Auch soziale Begegnungen sind wichtig, weil sie Vertrauen schaffen und die Zusammenarbeit erleichtern.

Was war aus organisatorischer Sicht besonders wichtig?

Aydın Bayad: Der wichtigste Faktor für den Erfolg war die große Offenheit und Kooperationsbereitschaft meiner Gastgeberin. Trotz kleinerer praktischer Schwierigkeiten hat sie sich viel Zeit für unsere Gespräche genommen. Das war entscheidend dafür, dass wir in kurzer Zeit so viel erreichen konnten. Hilfreich war außerdem die Unterstützung durch Martina Keilbach, die den Aufenthalt organisatorisch sehr gut begleitet hat.

Maria Alexopoulou: Aus meiner Sicht lief alles sehr unkompliziert. Was ich als Verbesserung anmerken würde: Wir sind eher zufällig auf die Hospitanzmöglichkeit gestoßen. Das Programm könnte intern noch stärker sichtbar gemacht werden.

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