Ungleichheit und Zusammenhalt

Olaf Groh-Samberg  | 2026

Ausgehend von der Frage, wieviel Ungleichheit der Zusammenhalt verträgt, entwickelt der Beitrag eine klassentheo-

retische Perspektive, um das Konzept des gesellschaftlichen Zusammenhalts systematischer auf Strukturen sozialer Ungleich-

heit beziehen zu können. Dazu wird im ersten Schritt eine doppelte analytische Unterscheidung zwischen dem Zusammenhalt innerhalb und zwischen sozialen Klassen sowie zwischen einem sozialen Zusammenhalt auf der Mikroebene und einem strukturellen Zusammenhalt auf der Makro-Ebene sozialer Klassen vorgeschlagen. Im zweiten Schritt wird ein multidimensionales Klassenkonzept vorgestellt, das die Dimensionen materieller Lagen mit beruflichen Positionen und Bildungsabschlüssen miteinander verbindet. In einer empirischen Analyse für Deutschland werden die Verschiebungen der Klassenstruktur im Zeitraum 1984-2024 nachgezeichnet und drei markante Trends herausgestellt: erstens eine deutliche Schrumpfung und zugleich Marginalisierung der Klasse der Arbeiter:innen; zweitens eine enorme Expansion und hegemoniale Dominanz der Klasse der Privilegierten; und drittens ein Absinken der Mittelklassen im gesellschaftlichen Gefüge. Vor diesem Hintergrund wird die These entwickelt, dass die Klasse der Privilegierten damit vor der Wahl zwischen einem demokratischen und einem national-autoritären Zusammenhalt steht, wobei der politischen Gestaltung sozialer Ungleichheiten eine Schlüsselrolle zukommt.

Publications

Date
15.10.2026
Language
German
Series
RISC Working Paper
Publication Type
Working Paper
Sources
Groh-Samberg, Olaf. 2026. Ungleichheit und Zusammenhalt. Der Wandel sozialer Klassenverhältnisse als Herausforderung eines demokratischen Zusammenhalts. FGZ Working Paper Nr. 14. Leipzig: Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. fgz-risc.de/wp-14.
Open Access
Available
» back to publication overview